Wegfall der Psittakose-Verordnung

Am 21. September 2012 hat der Bundesrat erwartungsgemäß per Verordnung die Psittakose-Verordnung aufgehoben. Diese Verordnung hat Rechtsgültigkeit seit der Veröffentlichung im Bundesanzeiger am 16. Oktober 2012.

Eine Kennzeichnung nach der Psittakose-Verordnung ist für alle Psittaciden  nicht mehr vorgeschrieben. Eine freiwillige Kennzeichnung sowie eine freiwillige Buchführung ist jedoch sinnvoll und empfehlenswert
Seit dem 17. 10. 2012  müssen nur noch die Psittaciden gekennzeichnet werden, die in der Anlage 6 der Bundesartenschutz-Verordnung aufgeführt sind.

Was bedeutet der Wegfall der Psittakose-Verordnung für den Vogelhalter? 

Die Zeitschrift „Gefiederte Welt“ hat  bei Prof. Dr. Hans-Joachim Bätza im BMELV  (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) nachgefragt und dieses Interview am 24.04.2012 online gestellt. Da die Antworten von Prof. Bätza das Problemfeld sehr genau beschreiben, will ich dieses Interview zitieren:

Frage: Was waren die Gründe, dass das BMELV jetzt diese Verordnung aufheben will

Prof. Dr. Bätza:  Wesentlich für die Aufhebung der Verordnung ist, dass Deutschland der einzige Mitgliedstaat in der EU ist, in dem die Psittakose staatlich bekämpft wird. Zudem darf nicht unberücksichtigt bleiben, dass die Ornithose, die von dem gleichen Erreger hervorgerufen wird wie die Psittakose, nicht staatlich bekämpft wird, obschon auch Vogelarten, insbesondere Finken, in Privathaushalten gehalten werden oder aber auch mit ihnen gezüchtet wird, die sich mit C. psittaci infizieren und somit auch als Reservoir für menschliche Erkrankungen anzusehen sind. Die Meldepflicht sowohl für Psittakose als auch für Ornithose soll gleichwohl beibehalten werden, um auch weiterhin einen Überblick über Vorkommen und Verbreitung zu erhalten.

Frage: Bisher musste der Psittaciden-Halter eine Zucht- und Haltegenehmigung nach Paragraf 17g Tierseuchengesetz beantragen, einen Quarantäneraum nachweisen sowie eine Buchführungspflicht vornehmen. Was muss der Psittaciden-Halter nach Aufhebung der Psittakose-Verordnung zukünftig noch an Rechtsvorschriften beachten? Und wenn eine weitere Kennzeichnung von Sittichen und Papageien mit Vogelringen oder Transpondern nicht mehr erforderlich ist, was empfehlen Sie den Haltern und Züchtern in Hinblick auf Zoonosen-Erreger zu tun?

Prof. Dr. Bätza: Tierseuchenrechtlich unterliegen die Psittacidenzüchter zukünftig keinen Regelungen mehr, denn mit einer anstehenden Novellierung des Tierseuchengesetzes wird auch § 17g aufgehoben werden. Gleichwohl sei aber auch zukünftig jedem Züchter angeraten, entsprechende Räumlichkeiten vorzuhalten sowie seine Tiere zu kennzeichnen* und entsprechend Buch zu führen, um eine Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten.

Frage: Was passiert, wenn nach der Aufhebung der Psittakose-Verordnung bei einem Vogelhalter ein Psittakose-/Ornithose- Fall ausbricht? Wie hat sich der Vogelhalter zu verhalten?

Prof. Dr. Bätza: Grundsätzlich gilt, dass jeder Tierhalter vor dem Hintergrund der Fürsorgepflicht, die er für die von ihm gehaltenen Tiere hat, im Krankheitsfalle (unabhängig davon, um welche Krankheit es sich handelt), die Ursache durch tierärztlichen Rat abklären sollte. Das gilt natürlich auch für Psittacidenhalter. Der Tierarzt wird dann entscheiden, was weiter zu tun ist. Um ggf. eine Infektion des Psittacidenhalters mit C. psittaci auszuschließen, sollte – wie bisher übrigens auch schon – ärztlicher Rat eingeholt werden.

*Sittiche und Papageien, die in der Anlage 6 der Bundesartenschutz-Verordnung aufgeführt sind, müssen weiterhin mit einem geschlossenen Vogelring nach der Bundesartenschutz-Verordnung gekennzeichnet werden. Alle anderen Sittich und Papageienarten unterliegen keiner gesetzlichen Kennzeichnung mehr. Empfehlenswert allerdings wäre, wie Prof. Dr. Bätza sagt, ein Nachweisbuch weiterhin zu führen, sowie eine freiwillige Kennzeichnung mit Vogelringen.

 Das Interview

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